Historie

Kleine Geschichte des Freibadens an der heutigen Flussbadestelle der Nationalparkstadt Schwedt

Schon seit dem 17. Jahrhundert wurde in der Oder bei Schwedt an verschiedenen Stellen in kleinen, sogenannten Anstalten gebadet. Zunächst nur für Herren, später streng getrennt an Tagen für die Damen und für die Herren. Die kleine Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bezieht sich auf die dem Verein vorliegende Quellen im Stadtarchiv Schwedt und auf weitere Veröffentlichungen.

1935: Eröffnung einer Badeanstalt am heutigen Ort
Am 23. Juni 1935 wurde am Ufer der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße bei Schwedt eine Badeanstalt eröffnet. Die Flussbadeeinrichtung bot den neusten Standard mit vielen Sportgeräten, wie Reck, Barren, Ringen, Klettertauen und einer Hochsprunganlage. Ein Sprungturm war mit Ein-, Drei- oder Fünf-Meter-Brettern ausgestattet. Für die Kinder gab es den ganzen Sommer hindurch ein buntes Programm mit Strandfesten, Turmspringen und anderen Wettbewerben. Umkleidekabinen standen den Badenden in ausreichender Anzahl zur Verfügung. Für die Männer gab es nahe dem Eingangsbereich eine Gemeinschaftsumkleide, weiter hinten befanden sich die Einzelkabinen. Die Kinder zogen sich zumeist draußen um und hängten ihre Kleider einfach an die Haken der Holzwand.
Die Anlage verfügte über zwei Nichtschwimmerbecken, die der Schwimmmeister über einen Laufsteg bewachen konnte. Weiterhin gehörten mehrere abgegrenzte Freischwimmerbereiche dazu sowie eine bei den Kindern sehr beliebte große Rutsche. Zum Rutschen mussten man eine Pumpe betätigen, die das Wasser über das aufgeschraubte Kupferblech der Holzrutsche leitete.


Foto um 1935/36.

1945: Zerstörung der ersten Schwedter Badeanstalt
In den letzten Kriegstagen im April 1945 wurde mit der fast vollständigen Zerstörung der Stadt Schwedt auch die Badeanstalt stark beschädigt.

1954: Ertüchtigung und Wiedereröffnung der ersten Schwedter Badeanstalt
Nach dem 2. Weltkrieg wurde an gleicher Stelle, wenn auch etwas verändert die Badeanstalt mühevoll wiedererrichtet. Im Bericht des damaligen Bürgermeisters Albert Bartel vor dem Wirtschaftsausschuss der Stadtverordneten zum Betrieb der Badeanstalt wurde für das Jahr 1955 von 220.000 Besuchern berichtet. Der Eintritt lag bei 20 Pfennig für Erwachsene und 10 Pfennig für Kinder. Geöffnet war jeweils am Nachmittag bis in den Abend.

1968: Schließung der alten Schwedter Badeanstalt
Mit zunehmender Industrialisierung entlang der Wasserstraße, sowie ungenügender Abwasserreinigung verschlechterte sich die Wasserqualität zunehmend. Die beliebte Badeanstalt musste deswegen 1968 geschlossen werden.

2013: Ein Freundeskreis setzt sich die Wiederbelebung einer Badestelle zum Ziel
45 Jahre später, im Jahr 2013 traf sich auf Einladung des Schwedter Landtagsabgeordneten Mike Bischoff ein Freundeskreis. Der Freundeskreis aus aktiven Schwedtern setzte sich zum Ziel, Teile des Ufers der alten Badeanstalt zu verschönern und später das Baden wieder zu ermöglichen.

Auf vielen der Treffen wurden Ideen geboren und in der Stadt Unterstützer gesucht. Der Freundeskreis führte Arbeitseinsätze auf dem Gelände durch. Am Aufruf der Stadt, Ideen für die neue Ufergestaltung zu machen beteiligte sich der Freundeskreis aktiv. Er schlug unter anderem eine Sonnenterrasse, eine kleine Badestelle, einen Trimm-dich-Pfad und z.B. einen Matschspielplatz für Kinder vor. Diese Vorschläge nahm die Stadt auf.

2015: Die Stadt Schwedt errichtet Sonnenterasse
Dann der erste Schritt. 2015 errichtet die Stadt Schwedt auf den Fundamenten der früheren Umkleiden der alten Badeanstalt eine hölzerne Sonnenterrasse und begann die Wasserqualität nach den strengen EU-Anforderungen an Badegewässer fortlaufend prüfen zu lassen. Alle Proben bescheinigten eine gute Badewasserqualität.

Unser Freundeskreis verschönerte in Arbeitseinsätzen das Gelände, sammelte Spenden und schaffte erste Strandkörbe, Liegen und Sitzkissen an. Durch Unterstützter wurde der marode Zaun erneuert und ein kleines Holzhaus für Geräte errichtet. In jedem Frühling wurde an gebadet, auch wenn der Untergrund verkrautet und im Laufe der Jahrzehnte verlandet war. Zur Einweihung der Terrasse wurde ein schönes Einweihungsfest gefeiert. Ein Pianokonzert von Piano man Thomas Krüger begeisterte die zahlreichen Besucher.

2016: Freundeskreis stellt Machbarkeitsstudie für eine Badestelle vor.
Dank der Unterstützung des Schwedter Papierwerkes LEIPA konnte der Freundeskreis eine fundierte Machbarkeitsstudie für den Ausbau einer Wasserfläche zum Baden erarbeiten und trat hiermit an die Stadt und die Fraktionsvorsitzenden heran. Neben Zustimmung gab es bei Stadtverordneten und in der Bürgerschaft auch viele Fragen, Skepsis und Ablehnung zum Vorhaben und zum Standort. Die Laborergebnisse der seit 2015 regelmäßig erfolgten Wasserproben (sechs pro Jahr) bescheinigten weiterhin eine durchgehend gute Badewasserqualität.

2018: Baden in Schwedt? Nach öffentlicher Diskussion Entscheidung der SVV Schwedter
Aus dem Bürgerbudget wurde auf Initiative des neuen Schwedter Waldbadvereins eine Studie zu drei Standorten bzw. Möglichkeiten für das Freibaden in und um Schwedt erarbeitet. Nach öffentlicher Vorstellung und Diskussion der Studie berieten die Stadtverordneten im Juni 2018 über die Errichtung einer Badestelle in Schwedt und empfahlen mehrheitlich eine Badestelle am Ort der damaligen Badeanstalt. Im Dezember 2018 folgte in der SVV nach langer Diskussion mehrheitlich der Baubeschluss zum Ausbau der Wasserfläche an einem Teilstück der alten Schwedter Badeanstalt.

2019: Der Freundeskreis wird zum Verein
Unser seit 2013 bestehender Freundeskreis gründet im Januar 2019 nun den gemeinnützigen Verein Flussbadestelle Nationalparkstadt Schwedt e.V.. Ziele sind Kultur, Sport und Umweltbildung.

2019: Ausbau der Flussbadestelle beginnt
Im Sommer 2019 war es soweit. Eine Wasserfläche von ca. 50 x 50 m wurde zum baden ausgebaut. Der verlandete Untergrund wurde auf 2,50 m vertieft, ein Nichtschwimmerbereich mit Sandstrand aufgeschüttet und durch gelbe Bojen abgegrenzt.

2019 – Nach 51 Jahren historisches Anbaden
Was für eine Freude! Nach 51 Jahren war der Sandstrand und ein Badebereich von ca. 50×50 Meter wiedererrichtet. Vor sehr vielen Gästen übergab Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl das städtische Areal symbolisch an den Verein Flussbadestelle Nationalparkstadt Schwedt e.V.. Am 31. August 2019 gab es zur Einweihung ein Fest mit einem historischen Anbaden und einer Menge Spaß!

Diese kleine Historie hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und möchte ihnen „nur“ einen kleinen Einblick in die Geschichte des heute wieder für die Freizeit, Sport, Kultur und Umweltbildung gestalteten Areal geben.

Unser großer Dank gilt der Stadt Schwedt, den Stadtwerken Schwedt sowie allen zahlreichen Spendern und Unterstützern!